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Julfest, Hakenkreuz-Kugeln & Geschenke für Kinder Wie feiern Neonazis eigentlich Weihnachten?

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Hitler-Räuchermännchen (Quelle: Screenshot Youtube)

Neonazis feiern eher das „Julfest“, oder vielmehr bezeichnen sie ihr Weihnachtsfest als solches. Bereits während des Nationalsozialismus versuchten Nazis den christlichen Feiertag umzudeuten. So versuchten sie den christlichen Feiertag durch eine nationalsozialistische Interpretation des  alten germanischen Brauchs des Julfestes zu ersetzen. Unter Regie der SS sollte eine Ersatzreligion geschaffen werden, die vom Christentum abrückt. Dafür entwickelten die Nazis dann auch ihre eigenen Bräuche und Traditionen, die jedoch immer angelehnt waren an christliche. Insbesondere Heinrich Himmler und seine Kameraden von der SS machten sich im Verlauf der dreißiger Jahre um die Erfindung „arteigenen Brauchtums“ verdient. Hier liegt auch der Ursprung des Julfestes.

Beim Julfest geht es, nicht um die Geburt eines jüdischen Kindes, stattdessen soll die Wintersonnenwende gefeiert werden. Christliche Kreuze wurden durch Hakenkreuze und germanische Symbole ersetzt. Der Weihnachtsbaum hieß Jultanne und die Geschenke brachte nicht der Weihnachtsmann, sondern Frau Holle. Wichtiger Bestandteil ist zudem der Julleuchter. Heinrich Himmler verschenkte ihn regelmäßig an seine SS-Männer – es hätte ein zentrales Symbol dieses neonazistischen Feiertags werden sollen. Hergestellt wurden diese Kerzenhalter aus Ton ab 1939 von Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau.

 

Nach 1945 war heidnisch-germanisches Brauchtum wenig in der rechtsextremen Szene zu finden. Erst in den 1980er Jahren entdeckten extrem rechte Publizisten „Europas alte Götter“ wieder. Die Intention benannte der neu-rechte Theoretiker Karlheinz Weißmann: „Eine Politik ohne mythische Letztendbegründung ist gar nicht möglich.

Und so greifen auch heute Neonazis auf die umgedeutete Weihnachtstradition des Dritten Reichs zurück.

 

Weihnachts… Julfest-Schmuck

Neonazi-Weihnachts-Deko
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Es ist historisch nicht belegt, dass das Symbol aus dem Germanentum stammt, sondern es handelt sich um ein Kunstprodukt der „SS“, auch wenn dies in der rechtsextremen Szene meist geleugnet wird. Das Sonnenrad erscheint erstmals als Bodenornament im Obergruppenführersaal der „SS-Schule Haus Wewelsburg“. Erst nach 1945 wurde es als „Schwarze Sonne“ bezeichnet und findet in der Neonazi-Szene Verwendung.

Man kann die „Schwarze Sonne“ als eine Zusammensetzung von zwölf Sig-Runen oder als zwölfarmiges Hakenkreuz verstehen. Die „Schwarze Sonne“ erhält einen immer höheren Stellenwert für Lifestyle-Produkten der neonazistischen Szene aller Art – mittlerweile offenbar auch zu Weihnachten.

Weihnachtskugel mit Thorshammer

Der Hammer des Donnergottes Thor galt bei den Germanen als Symbol der Stärke, Tatkraft und für hohes Alter. Durch Rechtsextreme heutzutage verschob sich die Bedeutung des Symbols zu „kämpferisch“ und „völkischer Verbundenheit“. Einen unmittelbaren Bezug des Thorshammers zur NS-Zeit gibt es aber nicht.

Patriotischer Christbaum-Schmuck

Patriotischer Christbaumschmuck in Form eines Eisernen Kreuzes. Es ist auch heute noch ein gern und allumfassend genutztes Symbol der rechten Szene, muss an allerdings nicht zwingend als solches gelten.

„Patriotischer“ Christbaum-Schmuck
Freigeist-Schwingbogen

„Freigeist e.V.“ ist ein extrem rechter Verein aus der Erzgebirgsgemeinde Schwarzenberg. Passend zu Weihnachten bietet er seinen Schwingbogen an.

Geschenke für Neonazis

 

Nazi-Weihnachtstasse

Julfest-Tassen gibt es in verschiedenen rechtsextremen online Versand-Shops.

Geschenkkiste

Um die Geschenke einzupacken, bietet ein Nazi-Versand auch gleich eine Geschenkkiste an.

Ein Neonazi-Versand bietet diesen Baseballschläger an

Für die Kinder

Und natürlich spielen auch Bei Neonazis Kinder an Weihnachten beziehungsweise beim Julfest eine zentrale Rolle. Vom Strampler mit rassistischem Aufdruck, dem Teddy „Braunbär“ hin zu nationalsozialistischen Weihnachtsgeschichten als Hörbuch: Diverse rechtsextreme Versände bieten unterschiedliche Geschenke an, die die Nazi-Eltern den Kindern unter die Jultanne legen können.

Teddy „Braunbär“

Und natürlich verkaufen Neonazi-Läden auch Kleidung für die Kleinsten.

Nazi-Weihnachtsmärchen

 

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White Rex Aggressive Clothing Brand

Die Marke „White Rex“ ist seit ihrer Gründung 2008 in Russland mehr als nur ein Bekleidungs-Label. Gegründet durch Denis Nikitin, ist es mittlerweile ein Netzwerk international organisierter Neonazis, die sich durch Kraft- und Kampfsport, körperliche und geistige Ertüchtigung für den Nahkampf, bzw. den von Neonazis oft beschworenen „Heiligen Rassenkrieg“ vorbereiten.

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Cross_Lighting frenck_2005

Corona-Virus Der Neonazi Tommy Frenck will nun Ku-Klux-Klan-Masken verkaufen

Mitglieder des Ku-Klux-Klans töteten tausende Afroamerikaner*innen seit 1865. Nun nimmt der deutsche Neonazi Tommy Frenck die typische Spitzmaske in das Sortiment seines rechtsextremen Online-Versands mit auf – Ein Schlag ins Gesicht für potentielle Opfergruppen dieser menschenfeindlichen Ideologie.

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