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Kameradschaft Westerwald

Die „Kameradschaft Westerwald“ aus Rheinland-Pfalz wurde im Jahr 2002 von einem Dutzend Personen der extremen Rechten in der Region gegründet.

 

Von Fabian Kunow

Personell war die „Kameradschaft“ größtenteils mit dem NPD-Kreisverband Westerwald identisch. Nach mehreren systematisch geplanten und teilweise durchgeführten Angriffen auf Linke und Punker wurde gegen die Gruppe nach Paragraf 129 StGb (Bildung einer kriminellen Vereinigung) verfolgt. Im Zuge der Strafverfolgung löste sich die „Kameradschaft Westerwald“ im Jahr 2005 auf. Zwischen ihrer Gründungsphase und der Auflösung war die „Kameradschaft“ auf mittlerweile 40 Mitglieder angewachsen. Durch die umfangreichen strafprozessualen Maßnahmen sind die Aktivitäten sowie der Aufbau der Gruppe gut dokumentiert.

Im Mai 2002 gründeten 10 bis 15 Personen um den Westerwalder Neonazi Heinz Müller die „Kameradschaft Westerwald“ (KS WW), um neben der NPD einen weiteren organisatorischen Rahmen zu haben. Die KS WW war klar strukturiert und hatte einen Vorsitzenden und Vorstand sowie regelmäßige, protokollierte Treffen und einen festen Monatsbeitrag von 5 Euro. Die Gruppe erhob den Anspruch, strömungsübergreifend Mitglieder zu rekrutieren. Neben Parteimitgliedern der NPD waren Neonazis mit unterschiedlichen jugendsubkulturellen Hintergründen und Anhänger der völkischen „Artgemeinschaft“ in ihr organisiert.

Machte die Kameradschaft zunächst mit strikter NS-Propaganda und Beteiligung an regionalen und bundesweiten Aufmärschen mit ihrem Transparent „Kameradschaft Westerwald Am Ende steht der Sieg“ von sich reden, änderte sich dies ab 2004. Von nun an stand, unter dem damals 22-jährigen neuen Vorsitzenden Lars Heinz, die „Anti-Antifa“-Arbeit im Mittelpunkt der Praxis der „Kameradschaft“. Auf diesen Zeitpunkt datierte auch die Staatsanwaltschaft den Beginn ihrer Aktivitäten als kriminelle Vereinigung im Sinne Paragraf 129 StGb. Angehörige der „Kameradschaft“ organisierten mit Wissen der übrigen Mitglieder verschiedene Angriffe und Angriffsversuche auf Veranstaltungen der regionalen Punkerszene. Am 20. Januar 2005 versperrten mehrere Mitglieder der „Kameradschaft“ durch Nagelbretter und Baumstämme einen Waldweg, der zu einer Hütte führte, in der ein Punkkonzert stattfinden sollte. In diese Falle fuhr ein PKW mit Konzertbesuchern. Die Rechtsextremen attackierten das Fahrzeug mit Baseballschlägern. Es gab mehrere Verletzte. Zu der Aktion hatte der Vorsitzende der Kameradschaft mit einer SMS-Nachricht mit dem Text „Smash the Reds“ mobilisiert.

Im Mai 2005 kam es zur Durchsuchungswelle der Sicherheitsbehörden gegen Mitglieder der „Kameradschaft Westerwald“ und Einleitung der Strafverfahren. Die Altersspanne der Verdächtigen reichte dabei von 15 bis 81 Jahren. In drei großen Verfahren wurden Mitglieder der „Kameradschaft“ unter anderem wegen schweren Landfriedensbruch, Brandstiftung, Volksverhetzung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Der „Kameradschaftschef“ Heinz Müller brach bei seinem Schlusswort in Tränen aus und versicherte, dass eigentlich ein NPD-Mann auf die Anklagebank gehöre. Dieser habe die „Kameradschaft“ zu Gewalttaten aufgerufen. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, sie habe den NPDler nur nicht angeklagt, weil der für den Verfassungsschutz arbeite.

Nach den Razzien schaltete der Webmaster die Internetseiten der „Kameradschaft Westerwald“ ab. Besucher ihrer Homepage wurden ab sofort zur „NPD Rheinland-Pfalz“ weitergeleitet. Viele ehemalige Aktivisten der Gruppe sind auch nach dem Ende der Kameradschaft“ weiterhin im NPD-Kreisverband Westerwald aktiv.

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